Am Wochenende besuchte mich Pascal und wir sind selbstverständlich in die heilige Stadt gefahren. Über die unglaubliche Mischung von Menschen habe ich ja schon geschrieben, aber es beeindruckt auch noch beim zweiten Besuch und wahrscheinlich auch noch beim zehnten. Die Stadt ist unheimlich verwinkelt und extrem unübersichtlich. Ein Gewirr von kleinen und sehr kleinen Gassen, treppauf treppab, zum Teil werden selbst engste Gassen als Markt genutzt…
Hier ein Bild was vielleicht ein bisschen das Gewirr erahnen lässt, wenn man sich vorstellt, dass dort alles mit Sträßchen, Treppen und Wegen durchzogen ist.
Wir waren sehr früh da. Die Stadt wachte praktisch erst auf, die meisten Touristen saßen vermutlich noch beim Frühstück und die Einheimischen kauften ganz normal ein. Zwischen den ganzen religiösen Kitschläden, gibt es dort ja auch ganz normale Lebensmittelgeschäfte. (Die Bilder sind aus dem arabischen Viertel)
Die Klagemauer, der heiligste Ort des Judentums.
In Israel tragen Soldaten ihre Waffe immer bei sich, also auch beim Beten.
Danach ging es zum Ölberg. Auf dem Weg nach oben begegnet man erst der Kirche der Nationen und der Maria-Magdalena Kirche (im Hintergrund)
passiert riesige Friedhöfe
und kann dann schließlich den Blick auf den Tempelberg genießen.(Vorne der Felsendom, im Hintergrund mit der grauen Kuppel die Grabeskirche)
Auf dem Rückweg sind wir noch zum Grab Marias hinabgestiegen. Man fällt hier praktisch von einem Heiligtum ins nächste.
Nach einem schönen arabischen Mittagessen, haben wir uns dann zum heiligsten Ort des Christentums, der Grabeskirche, aufgemacht.
Kirche ist eigentlich ein bisschen untertrieben. Es ist ein großes sehr unübersichtliches Gebäude, dutzend Male auf-, an- und umgebaut, beherbergt es mehr als dreißig verschiedene Kapellen, die von Katholiken, Griechisch Orthodoxen, Äthiopiern, Armeniern, Syrern und Kopten “betreut” werden. (Wobei dieses Miteinander der Glaubensgemeinschaften nicht unbedingt von christlicher Nächstenliebe geprägt ist. Aufgrund des andauernden Streits, übergab Sultan Saladin im 11. Jahrhundert die Schlüsselgewalt einer muslimischen Familie, die diese bei heute ausübt.)
Wenn man die Kirche betritt, kommt man als erstes an den Salbungsstein, auf dem Jesus nach der Kreuzigung einbalsamiert worden sein soll. (so zumindest die römisch-katholische Überlieferung, einig ist man sich auch hier natürlich nicht).
Und prompt beginnt der Wahnsinn (ohne irgendeinen Gläubigen diskreditieren zu wollen, ich habs versucht, aber ich kann es einfach nicht nachvollziehen).
Die Gläubigen legen sich auf den Stein, küssen ihn, packen plastiktütenweise Gegenstände aus und reiben diese zur Segnung über den Stein… Viele Menschen stehen danach tränenüberströmt auf und streben zum nächsten heiligen Stein und die Prozedur geht von neuem los.
Durch kleine und große Gänge vorbei an unzähligen Altären, am Nabel der Welt (In mittelalterlichen Landkarten war dies der Mittelpunkt der Welt. Jetzt ist er sicherheitshalber angekettet, wäre ja auch doof, wenn jemand den Mittelpunkt einfach verschieben würde),
kommt man dann zum Heiligen Grab.
Nach einigem Anstehen, darf man dann in die kleine über und über geschmückte Grabkammer kriechen. Wobei man allerdings von dem anwesenden Priester schon sehr schnell mit den Worten “Finish, Finish!” wieder rausgeschickt wird. Für ein vollständiges Vaterunser muss man sich schon sehr beeilen.
Hier noch ein Bild von der Golgatakapelle, die sich auf dem Felsen befindet, wo Jesus am Kreuz hingerichtet worden sein soll.
Als wir uns gerade nach dem Besuch auf dem sonnigen Vorplatz etwas von der geballten Heiligkeit erholten, begann der Muezzin der unmittelbar benachbarten Moschee zum Nachmittagsgebet zu rufen. (Man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass ein Lautsprecher des Minaretts direkt auf den Vorplatz gerichtet ist…)
Vom Ruf des Muezzins unbeeindruckt singen aber gleichzeitig Pilgergruppen christliche Lieder. Damit nicht genug, kam noch ein Mann daher, der den Vorplatz in einem bestimmten Muster abschritt, mit seinen Stöcken immer wieder ein Kreuz bildete und in ein schrilles Horn bließ, bis er von den muslimischen Wächtern der Kirche recht unfreundlich unter lautem Schimpfen verjagt wurde.
Man bleibt sprachlos zurück… und freut sich, bald wieder in “Sin City” (wie Tel Aviv auch genannt wird) zu sein.

Ein definitiv nachhaltig beeindruckendes Erlebnis. Vielen Dank für die hervorragende Führung! Die Bilder geben das Erlebte sehr gut wieder (den ganz normalen Wahnsinn). Diese Stadt bzw. dieses Land muss man wirklich mal erlebt haben, es ist unbeschreiblich.
AntwortenLöschenMan, das hört sich ja echt spannend an und ihr habt es geschafft, dass ich ordentlich Fernweh habe...ich will auch
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