Mittwoch, 24. Juni 2009

Grenzerfahrung

Zwischen Israel und Jordanien gibt es drei Grenzübergänge. Einen im Süden in Eilat, den wir für unsere Einreise nutzten, einen im Norden  und einen in der Mitte, den Allenby Bridge Übergang den wir für unsere Ausreise gewählt haben. Dieser Übergang ist der einzige der von Palästinensern genutzt werden darf, (bzw. der Einzige an den sie rankommen). Israelis hingegen dürfen diesen Übergang nicht benutzen, weil man von dort unmittelbar in die Gebiete fahren kann.
Wir dachten uns, es ist erstens der räumlich nächste Übergang und zweitens warum sich nicht mal das berühmt berüchtigte Grenzspektakel hautnah anschauen.
Es beginnt damit, dass es auf jordanischer Seite eine Abfertigung für Touristen und eine für Araber gibt. Die Abfertigung ist einigermaßen umständlich aber problemlos. Man muss an einem Schalter seinen Pass abgegeben, wird fotografiert, dann wird der Pass durch ein kleines Fensterchen in den Nebenraum weitergereicht, wo dann wieder jemand etwas in den Computer tippt. Dann muss man am gegenüberliegenden Schalter Ausreisemarken kaufen, die man wieder dem Herrn im zweiten Schalter gibt, der diese dann auf einen extra Zettel klebt und diesen Zettel handschriftlich mit dem Vornamen versieht und den Zettel in den Pass legt. Für Freunde der umständlichen Bürokratie sicherlich ein wahres Fest. Den Pass bekommt man allerdings erst im Bus wieder, der einen über den Jordan bringt.
Der recht leere Touristenbus darf dann auch an den ganzen wartenden und sehr vollen Araberbussen vorbeifahren. Allerdings stand unser Bus auch noch bestimmt eine halbe Stunde bevor er an die Abfertigungshalle fahre durfte. Auch hier wird man im Gegensatz zu den Arabern gleich weiter vorne zum hin Eingang abgesetzt, trotzdem ist hier ein riesiges Gewusel. Arabischen Großfamilien haben halt viel Gepäck und insbesondere riesen Wasserkanister mit heiligem Wasser aus Mekka dabei. Wenn man die Arbeiter mit einem kleinem Trinkgeld aufmuntert, nehmen sie das Gepäck jedoch gleich viel zügiger und freundlicher an. Weiter geht es zur Durchleuchtung der Sachen und eine merkwürdige Maschine, die auf den ersten Blick wie ein normaler Metalldetektor aussieht, an dessen Wänden sich jedoch lauter Düsen befinden, die einen dreimal hintereinander recht stark anpusten, dabei wird man dann auch noch fotografiert. Was das sollte, blieb unklar. Darauf folgt eine eingehenden Befragung, was wir denn in Israel wollen und warum und wie lange und überhaupt. Wir dachten wir hätten es geschafft, aber dann kam noch eine sehr unkoordinierte große Schlange von Leuten, die offensichtlich an nur zwei Schaltern anstanden. Wir stellten uns eine ganze Weile an, bis uns ein mit wartender Araber sagte, wir mit unseren deutschen Pässen könnten doch auch einfach an der Seite vorbeigehen, dies hier werde nur veranstaltet, damit einmal ausgereiste Araber nicht so schnell wiederkämen. 
Tatsächlich klappte es, wir fragten eine freundliche Sicherheitsangestellte, die uns dann auch gleich einen extra Durchgang öffnete und nur noch eine sehr kurze weitere Gepäckkontrolle vornahm. Und ehe man es sich versah, war man selbst ein Element der Diskriminierung! Nicht schön.

Insgesamt hat der “Spaß” zweieinhalb Stunden gedauert. Ohne Bundesadler auf dem Pass, hätte es wohl mindestens doppelt solange gebraucht. Immerhin weiß ich jetzt unser Schengen-Abkommen erst so richtig zu schätzen.

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