Am Wochenende hatte ich das große Glück mit meinen Berliner Mitreferendaren einen außergewöhnlichen Menschen, Sheikh Abdul Aziz Bukhari, kennenzulernen. Ein Kollege hat den Kontakt über die Konrad Adenauer Striftung hergestellt und so hat uns der Sheikh am Freitag in seinem Haus mitten in der Altstadt von Jerusalem in der Via Dolorosa empfangen. In dem Haus lebt seine Familie seit über 400 Jahren. Allein das war schon ein Erlebnis einmal hinter die Mauern der Altstadt schauen zu können, die einem als Tourist sonst verborgen bleiben.
Der Sheikh ist ein kleiner, fröhlicher und sehr freundlicher Mann, der in seinem Haus eine kleine Moschee und eine islamisch-sufistische Gemeinde betreut. Er hat aber auch 20 Jahre in Amerika gelebt und unter anderem für die Schweizer und Spanische Botschaft gearbeitet. Vor einiger Zeit hat er mit gleichgesinnten Mitstreitern das Projekt “Jerusalempeacemakers” gegründet. Dies ist ein Zusammenschluss von religiösen Menschen aller Glaubensrichtungen, die fernab der Politik eine Lösung des Konflikts über den Glauben anstreben. Ihrer Ansicht nach gehört das Heilige Land ganz und gar nur Gott und kein Mensch dürfe darauf Ansprüche erheben. Sie betonen die starken Gemeinsamkeiten der drei großen hier versammelten Religionen und führen Veranstaltungen zum interreligiösen Dialog durch.
Ich habe noch nie zuvor einen Menschen kennengelernt, der eine so große Ruhe, Freundlichkeit und positive Stimmung ausstrahlte wie der Sheikh. Es war faszinierend, wie er es schaffte mit praktisch jedem dem wir begegneten sofort auf einer freundschaftlichen Ebene zu sprechen, ob nun Palästinenser, Beduine oder israelischer Soldat. Trotzdessen er allen Grund hätte auf Israel wütend zu sein - im letzten Gaza Krieg fielen Angehörige seiner Familie dem israelischen Bombardement zum Opfer - hat er auf der Fahrt durch die Gebiete nach Ramallah und Jericho nicht ein böses Wort über Israel gesagt, sondern uns einfach nur die Städte und Orte gezeigt.
Hier ein Bild von ihm in seinem Haus in Jerusalem mit seiner jüngsten Tochter. Die Jacke auf dem Bild ist nicht seine übliche Kleidung sondern Teil des Friedens- und Kunstprojektes “Face 2 Face”. Eine Portraitserie von Israelis und Palästinensern, die aufzeigen soll, wie wenig die Menschen sich unterscheiden, bzw. dass man die Religion und Herkunft einfach nicht am Aussehen erkennen kann. Die Fotos wurden neben Ausstellungen auf der ganzen Welt insbesondere auch an die israelische Mauer plakatiert. Das Bild unten ist auf der palästinensischen Seite aufgenommen.
Für alle, die das mehr interessiert, empfehle ich, sich einmal diese Seiten hier anzuschauen:
jerusalempeacemakers
face 2 face Projekt
Interview mit Sheikh Bukhari
Mit der Mauer komme ich dann auch zu unserer Fahrt durch die Gebiete. Zuerst fuhren wir nach Ramallah, der inoffiziellen Hauptstadt Palästinas. Die Reaktionen der Israelis, denen wir im Vorfeld davon erzählten waren sehr unterschiedlich und reichten von, “macht das auf keinen Fall, die Stimmung kann in drei Minuten kippen” zu “das wird sicherlich sehr interessant, es ist gut beide Seiten zu sehen, wir können ja leider nicht mehr hinfahren”.
Nachdem man einen großen Checkpoint passiert hat, steht man plötzlich an dieser riesigen Mauer, die in der offiziellen israelischen Diktion “der Zaun” genannt wird. Als Berliner drängen sich sofort Erinnerungen auf, wie es war, noch zu DDR Zeiten einmal nach Ostberlin zu fahren. Dieses Gefühl sollte sich noch stärker am nächsten Tag bei unserer Fahrt nach Bethlehem einstellen, die wir alleine gemacht haben und nicht mit dem Auto sondern zu Fuß durch den Checkpoint gingen. Ein kleiner Unterschied zu Berlin ist, dass die Mauer hier doppelt bis dreimal so hoch ist und dass mit einem deutschen Pass sehr schnell und problemlos passieren kann.
Der Bau der Mauer hatte zufolge, dass die Selbstmordattentate in Israel um 95% zurückgingen.
Ramallah zeigte sich uns als ganz normale friedliche arabische Stadt. Sicherlich kann es hier auch ganz anders zugehen und in weniger ruhigen Zeiten, sollte man evtl. auf einen derartigen Besuch verzichten (wen es interessiert, der kann ja mal auf youtube “ramallah” eingeben und sich die jeweiligen Propagandafilme anschauen). Wir haben die Stadt sehr friedlich erlebt. Insbesondere waren die Leute sehr freundlich und offen. Dies auch nicht nur, weil wir mit dem Sheikh unterwegs waren. Auch in Bethlehem sollten wir am nächsten Tag durchweg positive Begegnungen haben. Grundsätzlich sind Deutsche aufgrund verschiedener (teilweise auch sehr abzulehnender) Motivation doch recht beliebt dort. Was passiert, wenn man sich dort offen als Jude oder Amerikaner zu erkennen gibt, vermag ich nicht zu beurteilen. Vermutlich ist es nicht empfehlenswert. Dattelsaftverkäufer, es scheint die offizielle Tracht zu sein, denn Touristen gibt’s in Ramallah nicht.
Zentraler Platz, den man aus den Nachrichten eher mit wütenden Demonstranten gefüllt kennt.
in einem arabischen Saftladen
das Grab von Jassir Arafat Taxi
Weiter ging es Richtung Jericho zum St. Georgs Kloster. Dieses befindet sich mitten in der Wüste in einer Schlucht, wo es eine natürliche Quelle gibt. Ein wirklich besonderer Ort, man steht in der heißen Wüste, blickt in ein Tal und hört dort Wasser plätschern.
Der nächste Halt war “Nabi Musa” eine Moschee mitten in der Wüste, in der sich nach Ansicht der Moslems das Grab von Moses befindet. Absolute Stille und diese Unwirklichkeit in der heißen Wüste plötzlich im Hof einer grünen und kühlen Moschee zu stehen, hatte schon etwas außergewöhnliches und besinnliches. (Im Gegensatz zu den ganzen christlichen Wallfahrtsstätten).
Blick auf die umliegenden Friedhöfe, Weil irgendwie überliefert ist, dass der Stock auf den Moses sich stützte zwei Meter lang war, ihm aber wie ein normal großer Gehstock diente, geht man davon aus, dass Moses sehr groß war. Deswegen ist die Grabkammer ungefähr fünf Meter lang. Im Islam ist es wichtig die Propheten in Ruhe und Komfort zu betten, damit man selbst in Ruhe und Komfort leben kann, wie uns der Sheikh erklärte. – die Grabkammer
Weiter gings nach Jericho, der angeblich ältesten Stadt der Welt. Siedlungen sollen schon vor 10.000 Jahren hier bestanden haben.
Die Stadt mit dem Toten Meer und den jordanischen Bergen im Hintergrund. Wer in die Stadt will muss durch zwei Checkpoints, einen israelischen und einen palästinensischen, vorbei an von den Zusammenstößen zerschossenen Gebäuden und einem ehemaligen Casino und Hotel, was der damalige Finanzminister Palästinas hier erbauen ließ. In Israel sind Casinos verboten, so dass man ein gutes Geschäft witterte, was auch bis zur zweiten Intifada wohl ganz gut funktionierte. Jetzt steht das Hotel und Casino verlassen zwischen den Checkpoints im Niemandsland.
Jericho ist ansonsten ein ganz nettes unspektakuläres Städtchen, natürlich gilt auch hier das oben schon gesagte. Hauptattraktionen sind biblische Orte wie der Baum des Zachäus, ob der Zöllner tatsächlich auf diesem Baum gesessen hat, weiß man natürlich nicht so genau, aber der Baum ist auf jeden Fall über 2000 Jahre alt und könnte es somit sein.
Einige Ausgrabungsstätten und der Berg der Versuchung an dessen Hang sich wieder einmal ein Kloster befindet.
Die Mönche dort sind zum Teil als junge Leute dort hingekommen und haben das Kloster seit dem nicht mehr verlassen…
Auf die Frage, was getan werden müsse, damit hier endlich Frieden einkehrt, antwortete der Sheikh: “Frieden kann nur entstehen, wenn die Menschen mit sich selbst in Frieden leben, wozu es notwendig ist den Hass im eigenen Herzen zu besiegen, um in der Lage zu sein den Hass der Anderen zu absorbieren. Dieser Kampf gegen den eigenen Hass, sei der echte heilige Krieg, den jeder für sich allein führen müsse.
Man dürfe andere Menschen nicht verurteilen, sondern müsse stattdessen mit eigenem Verhalten überzeugen. Nicht Worte sondern Taten müssen den Willen zum Frieden erkennen lassen. Ob er hier jemals einkehrt, liegt allein in Gottes Hand.”
Vielleicht hat er recht.

Krass! Hört sich wirklich beeindruckend an! Genial, dass ihr die Chance hattet den Sheikh kennenzulernen und dadurch noch einmal einen wirklich tiefen und interessanten Blick hinter die Kulissen zu werfen.
AntwortenLöschenDie Orte sind natürlich auch mal wieder sehr interessant und man darf sie eigentlich wirklich nicht auslassen, wenn man dort ist.
Wie schmeckt eigentlich Dattelsaft?
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